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Resilienz

Gibt es eine Situation mit einer anderen Person, die Dir heute noch nachhängt? Vielleicht ein Streit. Oder das Ende einer Beziehung? Oder etwas, das Du mit Deinen Eltern erlebt hast? Irgendetwas von dem Du Dir eigentlich ein anderes Ende, ein weiteres Gespräch oder zBsp eine Entschuldigung erwartet hättest?

Gib Dir selbst was Du von anderen erwartest

Wenn Du denkst „Diese Person wird sich nie bei mir entschuldigen“ oder „Der ist ja schon lange vorbei und ich kann die Sache nicht mehr ändern“ dann gibst Du Deine Verantwortung ab.

Ich zBsp habe so eine Situation mit einem Ex-Freund, der sich einfach aus dem Staub gemacht hat. Der einfach irgendwann weg war. Keine Nachrichten mehr, keine Anrufe. Bis heute denke ich oft darüber nach warum wir uns nie ausgesprochen haben und was ich ihm gerne sagen bzw von ihm hören würde.

„Es tut mir Leid. Ich wünschte ich hätte Dir einfach sagen können, dass unsere Beziehung für mich aus Grund XY nicht passt.“

Das wäre es schon. Eine Entschuldigung, ein Eingeständnis. Und ich denke, so lange das nicht kommt, kann ich damit nicht abschliessen.

Falsch!

Du kannst das Gespräch selbst führen, ohne den anderen

Schreibe entweder einen Brief oder nimm Dir eine ruhige Stunde zuhause. Schliesse die Augen. Atme tief und ruhig. Versetze Dich in die Situation, die Dich belastet. Was ist vorgefallen, was fühlst Du, was kommt hoch?
Was nervt Dich?

Dann schreibe oder sage was Du sagen möchtest.

Und dann: Schreibe oder sage was Du hören möchtest! Schreibe auf, was Du von der Person gerne gehört hättest. Was soll er/sie Dir sagen?

Wiederhole das.

Was fühlst Du? Wie geht es Dir damit? Was ändert sich?

Dann beendest Du den Brief oder das Gespräch. Verabschiede Dich von der Situation und dem Menschen. Sage ihm, dass er gehen darf. Dass er seinen Sinn in Deinem Leben erfüllt hat, auch wenn Du vielleicht nicht weisst welcher Sinn das war.

Atme.

 

Teile Deine Erfahrung gerne mit uns. Gerne mache ich diese Übung mit Dir zusammen, lass mich wissen, wenn Du Hilfe brauchst.

19/08/2017

Immer wieder passiert es, dass wir uns in Situationen befinden, in denen wir emotional reagieren. Wo uns Dinge zu viel sind oder sich etwas nicht gut anfühlt. Oder jemand sagt/tut etwas und wir merken innerlich zieht sich alles zusammen. Aber nicht immer ist der Raum für eine Diskussion da oder nicht immer handelt es sich um Dinge für die wir einen Kompromiss finden können.
ZBsp begegnet uns im Job immer wieder derselbe cholerische Kollege oder gar Chef. Vielleicht haben wir schon mehrfach das Gespräch gesucht oder sogar ein Coaching in Anspruch genommen, aber nichts ändert sich. Der Kollege ist cholerisch, wir sind genervt, scheuen vielleicht schon die Zusammenarbeit oder jegliche Auseinandersetzung. Sonntagabend gehen wir mit Bauchweh ins Bett, Freitagmittag machen wir drei Kreuze wenn wir gehen können.

Jetzt ist der Moment in dem Du für Dich entscheiden musst was Du erträgst und was nicht

 

Einfach so den Job hinschmeissen? Ein Ultimatum setzen? Den Betriebsrat oder einen Ombudsmann einschalten? Amok laufen?
Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Wichtig ist hier, dass Du für Dich klar hast, wie weit Du mitgehst und wie weit nicht.

ZBsp habe ich kürzlich jemanden kennengelernt. Sah alles gut aus, sogar Gefühle waren da. Dann jedoch stellte sich heraus, dass die Person aus meiner Sicht ein Problem mit Akohol hat. Ich sage ganz bewusst ‚aus meiner Sicht‘, denn wichtig ist, dass ich mir klarmache was ich akzeptabel finde und was nicht. Der eine mag finden, dass jeden Tag ein Bier total ok ist. Für mich ist es das nicht. Vielleicht hatte ich selbst mal ein Alkoholproblem, vielleicht ist es etwas, das ich aus meiner Kindheit kenne, vielleicht aus einer vorherigen Beziehung. Es ist ganz egal. Wenn ich mir klar darüber bin, welche Thematik ich in meinem Leben akzeptieren kann und welche nicht, dann brauche ich gar keine Entscheidung treffen, denn mein Verhalten wird klar sein: Ich habe die Beziehung mit diesem Menschen beendet.
Das bedeutet nicht, dass ich die Person verurteile, nicht mehr mag oder keinen Kontakt mehr haben möchte. Es bedeutet lediglich, dass ich mir 100%ig bewusst darüber bin, was ich in mein Leben lasse und was nicht. Und dass ich hier 0% Kompromisse mache.

Dasselbe gilt für Werte. Ich muss für mich festlegen, was mir wichtig ist und was ich in meinem Leben haben möchte. Nur dann kann ich diesem roten Faden folgen und den für mich richtigen Weg gehen, was nicht heisst, dass das immer einfach wird.
In meinem Leben war es bisher immer so, dass jeglicher Kompromiss den ich bei mir absolut wichtigen Themen eingegangen bin mich immer wieder in den Allerwertesten gebissen hat. Wäre ich standhaft geblieben und hätte so gehandelt wie es mir wichtig ist wären mir viele unangenehme Dinge, viel Zeitverschwendung erspart geblieben. Natürlich habe ich daraus auch etwas gelernt, jedoch wäre es vielleicht bei einem Mal geblieben, statt vielleicht mehreren schwierigen, sich wiederholenden Situationen.

Es geht nicht darum, dass Du nie wieder einen Kompromiss eingehst. Das geht ja gar nicht

 

Es geht darum, dass Du dir selbst bewusst machst „Bei was möchte ich in meinem Leben nicht länger einen Kompromiss eingehen/bin ich Zero kompromissbereit? Was ist verhandelbar und bei was bin ich vollkommen flexibel?“

Los geht’s:
Setz Dich hin und überlege „Wo bin ich in meinem Leben einen Kompromiss eingegangen, der nicht gut für mich war? Auf was bin ich in Zukunft nicht mehr bereit einzugehen? Welche Werte/Verhaltensweisen möchte ich in Zukunft in meinem Leben vermeiden?“ Versuche zu spezifizieren was Du meinst.

ZBsp sieht meine Liste in etwa so aus:
1. Alkoholkonsum – 1x/Woche zBsp zum Essen ok, darüberhinaus inakzeptabel
2. Hass – egal in welcher Form
3. Intoleranz – gegenüber anderen Menschen und deren Meinungen/Einstellungen
4. Besserwisserei – Menschen, die ihre Meinung für besser und absolut richtig halten und mich ‚missionieren‘ möchten
5. …..

Wie gesagt, es geht nicht darum jemanden zu verurteilen oder auf die Liste zu schauen und zu sagen „Sorry, Du bist ein Besserwisser, ich kann Dich nicht mehr treffen“. Es geht darum zu entscheiden wie weit man mit einer Person in seinem Leben gehen möchte. Ich kann mit jemandem einkaufen gehen, aber wenn die Person aus meiner Sicht zu viel trinkt, werde ich diese Person eben nie in eine Bar begleiten oder möchte auch nicht, dass sie bei mir einzieht. D.h. nicht, dass ich die Person nicht wertschätze oder nicht mag. Ich entscheide lediglich wie weit sie Einfluss auf mein Leben nehmen kann. 
Was glaubst Du was passiert, wenn Du im Interview merkst, dass der Chef mit dem Du arbeiten sollst cholerisch ist, Du aber darüber hinweg siehst, weil ist ja DER Job, den Du schon immer wolltest? …obwohl Du Choleriker eigentlich nicht mehr in Dein Leben lassen wolltest.

Mache nun weiter, indem Du aufschreibst, was Du stattdessen haben möchtest bzw mache eine Liste von allen Werten/Verhaltensweisen, die Dir absolut wichtig sind.

ZBsp bei mir etwa so:
1. Liebe – ich begegne allen Menschen offen, friedvoll und erstmal tolerant und möchte auch so behandelt werden
2. Ehrlichkeit – ich bin mir selbst gegenüber ehrlich, auch wenn’s weh tut.
3. Positivität – mal einen Tag schlechte Laune haben ist ok, generell möchte ich positiv auf mein Leben blicken und positiv auf die Dinge sehen
4. Flexibilität/Freiheit – ich allein entscheide was ich mache oder tue, ich lasse mir durch niemanden etwas vorschreiben in Bezug auf mein Leben
5. ….

Schreibe so viele Punkte auf wie Du willst. Setzt natürlich voraus, dass Du Dir selbst versprichst Dich immer an Deine Werte zu halten und für sie einzustehen. Dazu musst Du ehrlich mit Dir selbst sein und entsprechend handeln. Das ist nicht immer leicht, aber es ist machbar. Deine Entscheidung!

05/01/2017

Kennst Du das? Du beginnst etwas Neues und spürst: Das ist es! Diesmal habe ich den Traumjob! Du ziehst um und denkst: Das ist es, endlich bin ich an dem Ort, an dem ich alt werden will!

Nach 6 Monaten, 1 Jahr, 2 Jahren merkst Du: Du bist wieder gelangweilt.

Ernüchterung.

Jetzt bin ich 37 und weit entfernt von angekommen.
Manchmal ist meine Perspektive weg. Ich werde müde. Ich will dann nur noch rumliegen und schlafen.
Wieder Steine umdrehen und gucken was drunter ist? Wozu das Ganze? Was macht mir denn überhaupt 100% Spaß und erfüllt mich?

Meine ernüchternde Antwort: 100%? Nichts!

Meine Erwartung ist, dass ich mit Mitte 30 doch mal wissen müsste, was ich will. Was ich jetzt anfange, muss doch mal zu mir passen und ich muss doch einfach mal dabei bleiben.

Und dann dachte ich: Wieso denn eigentlich?

1. 40 ist das neue 30. Mindestens

Meine Generation wurde darauf gepolt etwas aus sich zu machen. Einen guten Job, ein schickes Haus, gutes Gehalt, Familie, Rente. Dann bist Du was. Bis 40 ist der Hauptteil Deines Lebens eigentlich durch.

Ich bin nun 36 und mir geht der Arsch auf Grundeis. In was bin ich denn gut? In nichts? Kein Wunder, dass ich nicht erfolgreich bin. In vier Jahren bin ich offiziell alt und habe nichts erreicht.

Scheissgedanke. Der motiviert Null. Im Gegenteil, manchmal fühlte ich mich, als wolle ich mich erschiessen. Sofort.

Fakt ist, dass wir heute immer länger jung sind. Dass wir noch nie so viele Chancen hatten. Erinnerst Du Dich an die Frau, die mit 65 noch Vierlinge bekam? Ok, nicht mein Vorbild, aber es ist machbar. Ich kenne Menschen, die mit 47 ein Startup im Filmgeschäft gründen.

Wenn Du Dich fit fühlst und es Dich glücklich macht tu es!

2. Du bist vielleicht ein Scanner

„Scannertalente haben eine unbändige Neugier auf eine Vielzahl von Themen, die keine Logik dahinter erkennen lassen, und wollen sich am liebsten mit all ihren Ideen sofort und gleichzeitig beschäftigen“ schreibt Anne Heintze in der Open Mind Akademie.
Dort gibt es auch einen Test, der Dir herausfinden hilft, ob Du einer bist.

Ich bin es definitiv. Und darf mich von der Erwartung befreien, dass ich jemals diese eine Sache finden werde, die mich dann für immer glücklich macht.

Das mag für den Großteil der Menschen vielleicht passen. Für mich einfach nicht.
Ich darf das akzeptieren und einfach für jeden Tag dankbar sein an dem ich eine Aktivität habe die mir Spaß macht.

3. Persönlichkeitsinseln schwimmen weg

Kürzlich sagte mir jemand, dass er bestimmte Vorlieben erst mit Ende 30 entdeckt hat, als er sich besser kennenlernte.

Gestern schaute ich „Alles steht Kopf“, ein Animationsfilm über die Gefühle eines jungen Mädchens und was die in ihrem Kopf so anrichten. Das Mädchen hatte entsprechend ihrer Vorlieben und Kernerinnerungen verschiedene Persönlichkeitsinseln. Eine für rumblödeln, für Freundschaft, für Familie und für Eishockey, ihr großes Hobby. Als sie in eine andere Stadt ziehen musste verschwinden diese Inseln, bis sich neue bilden aus neuen Erfahrungen.

Mir hat das gezeigt, dass es einfach für verschiedene Phasen im Leben auch verschiedene Neuorientierungen im Hirn gibt. Da wir keine Festplatten sind funktioniert das Ganze nur langsamer. Du löschst nichts Altes und lädst ein neues Programm hoch, fertig. Altes wird manchmal nur schmerzhaft gelöscht und für Neues brauchst du neue Erfahrungen.

Das braucht manchmal Zeit. Gib sie Dir.
Wenn sich Dein Hirn neu orientiert hat folgen neue Ideen und Erfahrungen wie von alleine! Breche nichts über’s Knie.

22/10/2015

Im Englischen heisst es ja bekanntlich: No news is good news. Wenn Du nichts von jemandem hörst, geht es ihm gut und er ist zu beschäftigt sich zu melden.
Bei mir war es nun lange Zeit still. Zuerst wegen der Liebe, dann wegen des Alleinseins und jetzt wegen des ’nicht wissens‘.

Nicht wissen, wohin ich eigentlich möchte. Mit mir selbst. Meinem Leben. Mit dem, was ich tue. Und immer wieder der Frage in meinem Kopf: Kann ich anderen vorleben mein bestes Ich zu sein, wenn ich gerade von allen am wenigsten denke, dass ich es bin? Wie kann ich andere motivieren und anstecken, wenn ich selbst keine Motivation habe und nicht ‚angesteckt‘ bin?

Ich würde mich am liebsten gerade verkriechen und nur noch TV schauen. Wie meine Coach aus dem letzten Jahr sagte: Wir müssen uns zuerst das geben, was wir brauchen, bevor wir Einfluss nehmen können, so wie es uns bestimmt ist in diesem Leben.
Gleichzeitig mache ich mich fertig dafür, dass ich wieder nicht so weit gekommen bin mit IchBinDasBesteIch.com, wie ich gerne wollte. Dass ich eigentlich immer noch an derselben Stelle stehe wie vor einem Jahr. Dass ich es nicht hinbekommen meinen Newsletter einmal im Monat zu schreiben. Oder regelmässig Artikel zu veröffentlichen, die auch anderswo veröffentlicht werden. Dann frage ich mich:

Bin ich zu ungeduldig? Erwarte ich zu viel? Wo ist meine Energie hin? Und wie bekomme ich sie zurück?

 

Mir fiel ein toller TED Vortrag in die Hände von Tracy McMillan, einer Autorin aus den USA. Er heisst ‚The person you really need to marry‘ Die Person, die Du wirklich heiraten solltest.
Tracy beschreibt darin, wie sie nach drei Ehen und drei Scheidungen auf dem Weg ist sich selbst zu finden. Ihre Eltern konnten sich nicht um Tracy kümmern, daher hat sie ihre Jugend in Pflegeheimen verbracht. Danach versprach sie sich selbst, dass sie nie mehr in ihrem Leben verlassen werden würde und heiratete zum ersten Mal mit 19, um nicht alleine zu sein. Nach vier bis fünf Jahren verliess sie ihre Männer. Ihr dritter Mann betrog sie nach 9 Monaten. Also merkte sie, dass da etwas nicht stimmt.

Sie lernte, dass sie sich selbst ‚heiraten‘ musste, denn niemand kann ihr das Gefühl geben, dass sie suchte: Ganzheit, vollkommen sein, nicht verlassen sein. Sie verstand, dass sie sich selbst lieben und akzeptieren musste, um nicht mehr verlassen zu werden. Sie lernte, dass sie sich zuerst selbst versprechen musste, sich nicht zu verlassen, egal, ob sie erreicht, was sie möchte oder nicht. Egal, ob sie krank oder gesund ist. Egal, ob sie dick oder dünn ist. Egal, ob sie reich oder arm ist.

Die Bereiche, in denen Dir die größten Herausforderungen gegenüber stehen, sind die, in denen Du das Meiste zu geben hast

– Tracy McMillan

 

Du hast in diesem Leben nur Dich. Du wurdest mit Deinem Körper, Deinem IQ, Deinen Gefühlen, Deiner Familie, Deinem Hintergrund und was sonst noch zu Dir gehört geboren. Du hast keine andere Wahl als Dich so zu akzeptieren wie Du bist. Natürlich kannst Du an Dir arbeiten, wenn Dir etwas nicht gefällt. Aber so wie in der Liebe und dem Eheversprechen: Bis das der Tod uns scheidet, in guten wie in schlechten Zeiten, in Krankheit und Gesundheit und so weiter.

Und so lange wir das nicht lernen, wird das Leben uns weiterhin Herausforderungen bieten, an denen wir wachsen können. So lange wir uns selbst nicht lieben wird das Leben uns Beziehungen schenken, die uns das spiegeln. So lange wir uns selbst nicht akzeptieren wird uns das Leben Situationen schaffen, in denen wir nicht erfolgreich sind. So lange wir selbst nicht bereit sind uns auf uns selbst festzulegen wird uns das Leben immer wieder Möglichkeiten geben in denen sich andere auch nicht auf uns festlegen.

Ich lerne also, wie ich mich auf mich selbst festlegen kann. Wie ich mich mir selbst verpflichten und mir versprechen kann immer für mich da zu sein, auch wenn ich in meinen Augen gescheitert bin, falsch gehandelt habe, wieder zu wenig Sport gemacht habe, mich wieder nicht an das gehalten habe, wofür ich eigentlich stehen möchte.
Ich lerne also mir Zeit zu geben, mich lieb zu haben, dass es ok ist mich auch mal nicht zu mögen, aber mich deswegen trotzdem nicht gleich zu verlassen.
Ich lerne also, dass ich in diesem Leben mein wichtigster Partner bin, dass ich mir treu bin und mit mir selbst immer ehrlich.

Ich weiss nicht, wann oder ob ich diese Herausforderung jemals meistern werde. Ich weiss aber, dass sie eine der wichtigsten in meinem Leben ist.
Vielleicht ja auch in Deinem….

27/09/2015

Meine Lieblingsauthorin (und Lieblings-name-buddy) Alexandra Franzen hat mal wieder was sehr weises gesagt:

„Wenn etwas wirklich, tiefgründig, unantastbar wichtig für Dich ist – wenn es ein Teil Deines Lebens ist das zu tun – dann sprichst Du von ‚Ich bin…'“.

Beispiel: Niemand sagt ‚Ich verbringe meinen Alltag damit Mutter zu sein‘ oder kein Sportler würde sagen ‚Ich mache gerne Sport‘, sondern ‚Ich bin Mutter‘ oder ‚Ich bin Sportler‘.

Alexandra hat in einer kleinen Umfrage herausgefunden, dass Menschen, die sich sehr sicher mit etwas sind, diese Sache täglich ausüben oder machen und mit ihr verbunden sind darüber immer im ‚Ich bin…‘-Modus sprechen.

Interessant, oder?
Worte können Welten verändert, Denkweisen, können einen Krieg beginnen oder beenden, ebenso eine Liebesgeschichte. Wenn das alles möglich ist, dann probiere doch mal Dir zumindest für heute zu sagen ‚Ich bin…‘
Gewöhne Dich daran ein Sportler zu sein, ein Autor, ein Liebhaber, was auch immer Du sein möchtest…

Also, wiederhole und vervollständige: ‚Ich bin…‘

 

Frei nach AlexandraFranzen.com

07/06/2015

Der angekettete Elefant

»Ich kann nicht«, sagte ich. »Ich kann es einfach nicht.«
»Bist du sicher?« fragte er mich.
»Ja, nichts täte ich lieber, als mich vor sie hinzustellen und ihr zu sagen, was ich fühle… Aber ich weiß, daß ich es nicht kann.«
Der Dicke setzte sich im Schneidersitz in einen dieser fürchterlichen blauen Polstersessel in seinem Sprechzimmer. Er lächelte, sah mir in die Augen, senkte die Stimme wie immer, wenn er wollte, daß man ihm aufmerksam zuhörte, und sagte:
»Komm, ich erzähl dir eine Geschichte.«
Und ohne ein Zeichen meiner Zustimmung abzuwarten, begann er zu erzählen.

Als ich ein kleiner Junge war, war ich vollkommen vom Zirkus fasziniert, und am meisten gefielen mir die Tiere. Vor allem der Elefant hatte es mir angetan. Wie ich später erfuhr, ist er das Lieblingstier vieler Kinder. Während der Zirkusvorstellung stellte das riesige Tier sein ungeheures Gewicht, seine eindrucksvolle Größe und seine Kraft zur Schau. Nach der Vorstellung aber und auch in der Zeit bis kurz vor seinem Auftritt blieb der Elefant immer am Fuß an einen kleinen Pflock angekettet.

Der Pflock war allerdings nichts weiter als ein winziges Stück Holz, das kaum ein paar Zentimeter tief in der Erde steckte. Und obwohl die Kette mächtig und schwer war, stand für mich ganz außer Zweifel, daß ein Tier, das die Kraft hatte, einen Baum mitsamt der Wurzel auszureißen, sich mit Leichtigkeit von einem solchen Pflock befreien und fliehen konnte.

Dieses Rätsel beschäftigt mich bis heute. Was hält ihn zurück? Warum macht er sich nicht auf und davon?

Als Sechs- oder Siebenjähriger vertraute ich noch auf die Weisheit der Erwachsenen. Also fragte ich einen Lehrer, einen Vater oder Onkel nach dem Rätsel des Elefanten. Einer von ihnen erklärte mir, der Elefant mache sich nicht aus dem Staub, weil er dressiert sei. Meine nächste Frage lag auf der Hand: »Und wenn er dressiert ist, warum muß er dann noch angekettet werden?« Ich erinnere mich nicht, je eine schlüssige Antwort darauf bekommen zu haben.

Mit der Zeit vergaß ich das Rätsel um den angeketteten Elefanten und erinnerte mich nur dann wieder daran, wenn ich auf andere Menschen traf, die sich dieselbe Frage irgendwann auch schon einmal gestellt hatten. Vor einigen Jahren fand ich heraus, daß zu meinem Glück doch schon jemand weise genug gewesen war, die Antwort auf die Frage zu finden:

Der Zirkuselefant flieht nicht, weil er schon seit frühester Kindheit an einen solchen Pflock gekettet ist

Ich schloß die Augen und stellte mir den wehrlosen neugeborenen Elefanten am Pflock vor. Ich war mir sicher, daß er in diesem Moment schubst, zieht und schwitzt und sich zu befreien versucht. Und trotz aller Anstrengung gelingt es ihm nicht, weil dieser Pflock zu fest in der Erde steckt. Ich stellte mir vor, daß er erschöpft einschläft und es am nächsten Tag gleich wieder probiert, und am nächsten Tag wieder, und am nächsten… Bis eines Tages, eines für seine Zukunft verhängnisvollen Tages, das Tier seine Ohnmacht akzeptiert und sich in sein Schicksal fügt. Dieser riesige, mächtige Elefant, den wir aus dem Zirkus kennen, flieht nicht, weil der Ärmste glaubt, daß er es nicht kann. Allzu tief hat sich die Erinnerung daran, wie ohnmächtig er sich kurz nach seiner Geburt gefühlt hat, in sein Gedächtnis eingebrannt. Und das Schlimme dabei ist, daß er diese Erinnerung nie wieder ernsthaft hinterfragt hat. Nie wieder hat er versucht, seine Kraft auf die Probe zu stellen.»

So ist es, Demian. Uns allen geht es ein bißchen so wie diesem Zirkuselefanten:

Wir bewegen uns in der Welt, als wären wir an Hunderte von Pflöcken gekettet. Wir glauben, einen ganzen Haufen Dinge nicht zu können, bloß weil wir sie ein einziges Mal, vor sehr langer Zeit, damals, als wir noch klein waren, ausprobiert haben und gescheitert sind

Wir haben uns genauso verhalten wie der Elefant, und auch in unser Gedächtnis hat sich die Botschaft eingebrannt: Ich kann das nicht, und ich werde es niemals können. Mit dieser Botschaft, der Botschaft, daß wir machtlos sind, sind wir groß geworden, und seitdem haben wir niemals mehr versucht, uns von unserem Pflock loszureißen. Manchmal, wenn wir die Fußfesseln wieder spüren und mit den Ketten klirren, gerät uns der Pflock in den Blick, und wir denken: Ich kann nicht, und werde es niemals können.« Jorge machte eine lange Pause. Dann rückte er ein Stück heran, setzte sich mir gegenüber auf den Boden und sprach weiter: »Genau dasselbe hast auch du erlebt, Demian. Dein Leben ist von der Erinnerung an einen Demian geprägt, den es gar nicht mehr gibt und der nicht konnte. Der einzige Weg herauszufinden, ob du etwas kannst oder nicht, ist, es auszuprobieren, und zwar mit vollem Einsatz. Aus ganzem Herzen!«

Jorge Bucay, Der angekettete Elefant. Aus: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte.
© Jorge Bucay 1999. Aus dem Spanischen von Stephanie von Harrach.
© Ammann Verlag & Co., Zürich 2005. Alle Rechte vorbehalten S.Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

15/03/2015
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