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Meine Krise – Warum der aktive Umgang mit Gefühlen so wichtig ist

written by Alexandra 29/07/2017

Hast Du mal darüber nachgedacht wie viele Gefühle Du aktiv nutzt?

Kannst Du die komplette Palette von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt? Kannst Du weinen vor Freude und schreien vor Wut? Kannst Du unterscheiden, ob Du traurig, wütend oder verletzt bist?

Die meisten werden wahrscheinlich sagen ‚Ja klar!‘. Top, dann weiter so!

Es gibt aber auch Menschen, die haben entweder nie gelernt die volle Bandbreiten auszuschöpfen oder sie haben ‚verlernt‘ sie nutzen.

ZBsp passieren entweder so viele schmerzhafte Dinge, dass sie sich irgendwann zum Schutz entschieden haben die schmerzhaften, ’negativen‘ Gefühle nicht mehr zu fühlen. Oder sie haben es vielleicht auch nie gelernt, weil auch schon ihre Eltern nicht in der Lage waren Gefühle zu zeigen oder zu verarbeiten.

Das lustige an Gefühlen ist nämlich, dass man mit ihnen aktiv arbeiten muss. So richtig schön ist es ja erst, wenn man Freude, Liebe, Lust, Spaß usw teilt. Wenn man einen Menschen damit ‚ansteckt‘. Wenn sich jemand für uns freut und mit uns lacht.

Und die ’negativen‘ Gefühle werden erträglicher wenn wir darüber reden, sie teilen. Wenn uns jemand in den Arm nimmt weil wir traurig sind. Wenn jemand uns zuhört wenn wir Schmerzen empfinden.

Wenn das aber nicht passiert und man mit seinen Gefühlen alleine bleibt, dann lernt man nicht sie zu teilen, dann weiss man nicht, dass darüber reden Erleichterung bringen kann. Ja dass man sich gar mit Gefühlen beschäftigen muss, lernen muss damit umzugehen, ansonsten bleiben einfach Lücken offen.

Wenn jemand das mehrere Jahre mit vielen schmerzhaften Erlebnissen gemacht hat, dann ist das in Zukunft die ‚Lösungsstrategie‘ um mit Gefühlen umzugehen.

Nur irgendwann leiden auch die positiven Gefühle mit, denn Empfindungen werden vom Körper nicht unterschieden in ‚gute‘ und ’schlechte‘. Und irgendwann kann es passieren, dass die Person mit keinerlei Gefühl mehr richtig ‚arbeitet‘ und daher alle Gefühle irgendwie verloren gehen.

Es bleibt nur noch ein oberflächlicher Rest, der aber innige Beziehungen niemals zulassen kann. Alle intensiven Gefühle können nicht mehr gefühlt und erlebt werden. Im schlimmsten Fall verschwimmt der Alltag zu einem Einheitsbrei und die Person ist irgendwann nicht mehr in der Lage zu fühlen was ihr eigentlich Spaß macht, kann keine Begeisterung mehr aufbringen und empfindet mehr und mehr Gleichgültigkeit…

Ich bin diese Person

Was wie eine Depression klingt und den Symptomen auch sehr sehr ähnlich ist war bei mir eine jahrelange ‚depressive Verstimmung‘.

Jahrelang aufgestaute negative Erlebnisse, die schon in die Schulzeit und Kindheit zurückgehen. Niemand war in der Lage ’negative‘ Emotionen mit mir zu besprechen und zu teilen. Also konnte ich es nicht lernen und dementsprechend keinen Umgang mit Gefühlen lernen. Ich brachte mir jedoch irgendwann bei das alles zu verdrängen, wenn wenn niemand darüber redet werde ich das auch nicht tun. Manchmal schämte ich mich sogar und dachte mit mir stimmt etwas nicht, weil ich so viel fühlte.

Ich drängte aber auch irgendwann die positiven Dinge in den Hintergrund. Es gab Zeiten in denen ich so viel Stress hatte, dass ich funktionieren musste. Da ich aber auch den Stress wegdrängte fiel es mir nichtmal mehr auf.

Bis ich irgendwann leblos war. Ich schaute nur noch TV, ich konnte nichts mehr finden, dass mir wirklich richtig Spaß macht, mich motiviert oder mich antreibt. Manchmal sass ich im Büro und wusste nicht wo ich die Energie für den Heimweg her nehmen soll. Alles war anstrengend, zu viel und zu nervig.

Irgendwann dachte ich ‚wenn ich jetzt die Diagnose einer unheilbaren Krankheit bekäme, ich wäre erleichtert‘.

Das Außen bringt Dir nichts wenn’s im Inneren dunkel ist

Gleichzeitig hatte ich eigentlich alles, was ich wollte: Einen guten Job, eine tolle Wohnung, ich war in meine Traumstadt gezogen und hatte neue Freunde gefunden. Ich hatte genug Geld, ein schönes Auto, gerade mehrere Weiterbildungen absolviert und endlich meine Schulden abbezahlt.

Und trotzdem wusste ich nicht wohin mit mir.

Ich war zu diesem Zeitpunkt bereits 11 Mal umgezogen. Hatte mehrere Arbeitgeber und Jobs gewechselt. Ebenso Länder in denen ich gelebt hatte und Beziehungen die ich geführt hatte.
Wenn Du nämlich nicht mit Gefühlen umgehen kannst packst Du jedesmal Deine Sachen wenn es unangenehm wird. Ich merkte ja dann, dass etwas nicht richtig war und da ich aber keine Konflikte ansprechen und Wünsche äußern konnte, war es einfacher jedesmal einzupacken und einfach alles von vorne anzufangen.

Aber irgendwann wurde ich müde. Ich merkte, dass ich noch 35 Mal umziehen und den Job und den Mann wechseln könnte, es würde mir nichts bringen, wenn ich nicht anfing mich mit meinem Gefühlen auseinanderzusetzen.

Irgendwann sass ich heulend auf meinem Sofa und war so über mich selbst erschrocken, dass ich entschied einfach zum Arzt zu gehen. Ein Vorteil vom Verdrängen der Gefühle ist, dass Du immer funktionieren kannst 🙂

Wie es danach weiterging berichte ich ein anderes Mal.

Ich möchte erstmal nur sagen wie wichtig es ist, dass wir für uns selbst und für unsere Kinder lernen mit unseren Gefühlen umzugehen.

„Stell Dich nicht so an!“

Sätze wie ‚Jungs heulen nicht‘, ‚Reiss Dich zusammen‘, ‚Heulsuse‘, ‚Stell Dich nicht so an‘ vermitteln unseren Kindern schon sehr früh welche Gefühle akzeptiert werden und welche nicht.

Besonders schlimm war für mich das Gefühl von Ohnmacht, welches ich immer hatte wenn mir früher gesagt wurde ‚Das ist eben so‘. Ich bekam regelmässig eine Resignation vermittelt. Und irgendwann fing ich dann an mir selbst zu sagen ‚Er hat Dich verlassen, es ist eben so‘. ‚Auch dieser Job ist mies, es ist eben so‘.

Fatal.

Sicherlich mag sich niemand von uns mit Freude durch eine Trennung kämpfen oder freut sich darüber einen geliebten Menschen zu betrauern. Aber ohne ’negative‘ Gefühle gibt es auch keine positiven.

Stetig positiv sein zu wollen wird dann auch gerne mal mit Drogen und Alkohol probiert. Die Statistiken sprechen für sich. Lustig übrigens, dass ich in meinem Umfeld eine zeitlang abhängige Menschen hatte.

Du ziehst nämlich an was Du aussendest. Und wenn das Gefühllosigkeit ist wirst Du auf Menschen treffen die ebenso (ungewollt) gefühllos sind. Im Englischen heisst das auch oft ‚emotionally unavailable‘. Ich übersetze das mit ‚emotional nicht erreichbar‘ (statt ‚emotional nicht verfügbar‘). Menschen, die sich immer wieder zurückziehen wenn es ‚eng und nah‘ wird oder wenn es ’schwierig‘ wird. Alles was mit vielen Emotionen verbunden ist wird vermieden. So entstehen oftmals on/off Beziehungen, beenden Menschen von heute auf morgen den Kontakt mit Dir, und so weiter…

Macht Sinn, oder?

 

Erlaube Dir jede Emotion zu fühlen. Gib Dir Zeit dazu. Schau hin was da ist. Und agiere entsprechend. Handle niemals gegen Deine Gefühle.

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